0900 löst die 0190er-Rufnummer ab |
01/04/2006 |
Am 1. Januar 2006 ist eine Ära in der deutschen
Telekommunikation zu Ende gegangen. Zum Jahreswechsel wurden die 0190-Rufnummern
durch 0900-Nummern ersetzt. Unterschiedliche Endziffern nach der 0900 weisen
dabei auf verschiedene Dienste hin. Viele Verbraucher werden die alten
Nummern nicht vermissen, waren sie doch vor allem als überteuerte Hotlines
für so genannte Mehrwertdienste bekannt, etwa im Erotikgeschäft. Verbraucherschützer
raten dennoch, haargenau auf die Tarifansage zu achten und notfalls bestimmte
Dienste zu sperren.
Hauptgrund für die Umstellung ist der Wunsch
nach mehr Transparenz, wie es bei der zuständigen Regulierungsbehörde,
der Bundesnetzagentur in Bonn, heißt. So besagt die erste Ziffer nach der
0900 die Art des Dienstes: "1" steht für Information, "3"
für Unterhaltung, "5" für Erotik-Dienste und die "9"
für Internet-Einwahlprogramme (Dialer). So soll es möglich werden, bestimmte
Dienstarten gezielt sperren zu können. Mit diesem Schema sollen sich Verbraucher
vor überhöhten Telefonrechnungen schützen können.
<b>Tarif muss angesagt werden</b><br>Zudem
können die Anbieter jeder einzelnen Nummer problemlos unter der Internetadresse
bundesnetzagentur.de in der Internetdatenbank der Bonner Behörde abgefragt
werden. Bei den 0190er-Nummern war dies nach Angaben der Verbraucherzentrale
Bundesverband (vzbv) oft schwierig, weil diese Nummern häufig weiter vermietet
wurden.
Grundsätzlich ändert sich das Tarifschema:
Während bisher in der Regel die Ziffer hinter der 0190 den Preis bestimmte,
können Anbieter von 0900er-Nummern ziemlich frei verfahren, solange sie
die gesetzlichen Obergrenzen nicht überschreiten: Ein Anruf darf maximal
zwei Euro pro Minute oder bei Blocktarifen 30 Euro pro Einwahl kosten.
Der Tarif muss angesagt werden.
<b>Anbieter können Preise festlegen</b><br>So
werden Geschäftsmodelle möglich, die bei Telekom-Firmen, die ihr Geld mit
der technischen Umsetzung der Nummern verdienen, Begeisterung auslösen.
Ihr Ziel ist, dass neben Mehrwertdiensten, die bisher unter 0190 angeboten
wurden, auch Service- und Supportnummern, die bisher unter 0180er-Nummern
erreichbar waren, auf die 0900 "wandern".
So könnte etwa ein Anwalt den Preis für
eine telefonische Rechtsberatung abhängig vom Thema gestalten, wie Christoph
Kurpinski von der Mainzer dtms AG erklärt. Noch flexiblere Lösungen ermöglicht
die "Event-gesteuerte Tarifierung". Damit können verschiedene
Preise für einzelne Gesprächsabschnitte festgelegt werden - vorausgesetzt,
der Anrufer stimmt zu, etwa durch Tastendruck.
<b>Warteschleife oder Verbindung?</b><br>So
könnten Kunden wählen, ob sie kostenlos in die Warteschleife gehen, oder
gegen Aufpreis sofort verbunden werden. Denkbar ist demnach auch, dass
verschiedenen Anrufern unter einer Service-Rufnummer unterschiedliche Entgelte
berechnet werden: Wer ein teureres Produkt gekauft hat, oder eine große
Bestellung abgibt, zahlt weniger - und kommt schneller dran.
Verbraucherschützer sehen dagegen Vorteile:
"Die Forderungen liegen nun näher bei dem, bei dem sie entstehen",
sagt Verbraucherzentrale-Expertin Ines Nitsche. Dies sei eine Chance, weil
die Telekom ihre Rechnung bisher auf Grund der Verbindung und nicht auf
Grund der Leistung gestellt habe. "Wir hoffen, dass nun tatsächlich
erbrachte Leistungen fakturiert werden", sagt sie.
<b>Ein Problem bleiben die Mobilfunknetze</b><br>Ein
Problem bleiben aber die Mobilfunknetze, aus denen bisher knapp die Hälfte
der Anrufe in 0190-Nummern kamen. Die Abrechnung erfolgt hier weiterhin
"online", das heißt, die Tarife bleiben im jeweiligen Mobilnetz
hinterlegt - und sind je nach Netzbetreiber unterschiedlich hoch. Die Mobilfunkunternehmen
müssen sich zwar auch an die gesetzlichen Obergrenzen halten. Laut Kurpinski
verlangen sie aber für 0900-Nummern oft höhere Preise als im Festnetz.
Bis Juni 2006 hat die Bundesnetzagentur
zudem kostenlose Bandansagen unter den bekannten 0190-Rufnummern genehmigt,
die Interessenten die neuen Rufnummern sowie deren Preise mitteilen. (dpa/heute.de)



