Politiker ohne Internet-Auftritt haben keine Chance |
09/12/2005 |
Ohne einen professionellen Internet-Auftritt
haben Politiker nach Expertenansicht beim Wähler mittlerweile kaum mehr
eine Chance. "Die Bürger erwarten ganz einfach, sich im Internet über
alle Parteien und Kandidaten informieren zu können", sagte der Dortmunder
Soziologe Andreas Cavaliere in einem Gespräch mit der dpa in Dortmund.
Dies gelte inzwischen für Landes- und Bundespolitiker gleichermaßen. "Wer
diesem Anspruch nicht nachkommt, hat schon fast verloren." Der Wissenschaftler
will im kommenden Jahr in einem Forschungsprojekt an der Universität Dortmund
untersuchen, ob und wie das Internet die Politik beeinflusst.
"Sämtliche Generationen nehmen mittlerweile
die Internet-Angebote in Anspruch", so der 33-jährige Wissenschaftler.
Mit den multimedialen Diensten politischer Jugendorganisationen würden
zwar vor allem die bis zu 30 Jahre alten Wähler angesprochen. Doch zeigten
Untersuchungen, dass die Zugriffe auf die Internet-Seiten von Parteien
und Politikern insgesamt zugenommen haben. "Auch die Generation über
50 Jahre nutzt die Angebote mittlerweile regelmäßig." Wie sehr das
Internet auf diese Weise der allgemeinen Politikverdrossenheit entgegenwirke,
sei allerdings noch nicht abzusehen.
"Mit Internet-Foren, Chats und so
genannten Weblogs wollen Parteien die Kommunikation nach innen und außen
ankurbeln", sagte Cavaliere. Wie sich die neuen Angebote, die zum
Teil erst seit diesem Jahr auf den Web-Seiten nutzbar sind, weiterentwickeln,
sei jedoch noch unklar. Die bisherigen Forschungen hätten aber gezeigt,
dass etwa ehrenamtlich tätigen Parteianhängern durch das Internet immer
mehr Hilfsmittel an die Hand gegeben würden. So gebe es vor allem im Wahlkampf
auf den einzelnen Seiten ganz erheblich mehr Informationen über Kandidaten
und Parteien als früher. "Unklar ist noch, ob die Parteien dabei die
multimediale Einbindung aller Meinungen und Anregungen als Chance ansehen
oder als Bedrohung empfinden." (dpa/ heise.de)



