Die Elektronik-Branche auf Höhenflug |
08/17/2005 |
Von Kaufzurückhaltung keine Spur: Die Branche
der Unterhaltungselektronik boomt, Industrie und Handel sprühen vor Zuversicht.
Flachbildschirme und Digitaltechnik bringen die Umsätze auf einen Höhenflug.
Nach einem Plus von fast zehn Prozent im ersten Halbjahr werden für 2005
ein zweistelliger Zuwachs und erstmals ein Branchenumsatz von mehr als
20 Milliarden Euro erwartet, verkündet Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender
des Fachverbandes Consumer Electronics im ZVEI und Vorsitzender des IFA-Vorstands,
kurz vor Beginn der Internationalen Funkausstellung (IFA) selbstbewusst.
Zahlen, von denen die Branche bei der Messe
vor zwei Jahren kaum zu träumen wagte. Denn im IFA-Jahr 2003 war der Umsatz
auf einen Tiefstand von 18,2 Milliarden Euro abgesackt. Damals musste sich
die Branche damit abfinden, selbst günstige Preise bei Neuheiten regten
die Kauflust nicht an.
Jetzt treibt digitale Technik das Geschäft.
Die Branche profitiert vom technischen Generationenwechsel - vom Röhrenfernsehgerät
zum TV- Flachbildschirm, vom Video- zum DVD-Recorder sowie zu digitaler
Foto- und Musikaufnahmen. "In diesem Jahr werden erstmals mehr LCD-
und Plasma-Bildschirme als herkömmliche TV-Röhrengeräte verkauft",
ist sich Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für
Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), sicher. Und in den Startlöchern
steht schon die neue hochauflösende Technologie HDTV.
Kamp sieht die Branche in einer ähnlich
guten Situation wie etwa bei der Einführung des Farbfernsehens Anfang der
70er Jahre. Damals wollten alle weg vom schwarz-weiß Bild, heute sind Flachbildschirme
"Objekt der Begierde". Erwartet wird, dass die Fußball- Weltmeisterschaft
2006 ähnlich wie 1974 den Gerätewechsel treibt. Und die Funkausstellung
vom 2. bis 7. September in Berlin wird auch einen Schub bringen. "IFA
ist Konjunkturprogramm", lautet das Branchenmotto. Auch die Messe
Berlin profitiert vom Branchenboom. Denn Messegeschäftsführer Christian
Göke kann eine IFA-Rekordbeteiligung vermelden. Zugesagt haben knapp 1200
Aussteller aus 40 Ländern, 15 Prozent mehr Anbieter als 2003.
Die gute Stimmung wird vom Handel bestätigt.
Für TV-Geräte als "Rückgrat des Geschäfts" gibt es zweistellige
Zuwachsraten. "Flachbildschirme sind ein Produkt nach dem Motto: will
ich haben", sagen Branchenkenner. Als einen Grund sieht er die Preisentwicklung.
"Inzwischen sind wir auf konsumiger Preishöhe angekommen", heisst
es weiter. Geräte, die vor zwei Jahren für 1400 Euro angeboten wurden,
kosten heute 600 Euro.
Beim Kauf spiele die Bildschirmgröße auch
eine Rolle, weil in der Regel ein Ersatzgerät angeschafft wird. "Bei
Flachbildschirmen gibt es eindeutig den Trend zu größeren Bildschirmen."
Ein weiterer Renner sind DVD- und Festplattenrecorder. "Im Augenblick
haben wir Steigerungsraten von 30 bis 40 Prozent". Die Geräte haben
den Videorecorder verdrängt. Digitale Technik setzt sich überall durch:
Der mobile Musikgenuss mit MP3 erfasst auch die Telekommunikation. Smartphones
mit eingebauter Festplatte speichern Musik- und Fotoarchive. Digitalkameras
bieten neben hoher Auflösung auch mehr Komfort.
In den vergangenen Jahren gab es einen
Trend zu entweder billigen oder teuren Geräten der Unterhaltungselektronik.
Dies ging immer stärker zu Lasten eines mittleren Preissegments. "In
der Übergangsphase von Röhrengerät zu Flat-TV gibt es einen neuen Preisbereich,
der nun die Mitte darstellt", beschreibt Heer. "Im TV- Bereich
bildet sich durch den Technologiewandel und Umstrukturierung der Haushalten
eine völlig neue Preisklasse." Röhrengeräte für das Wohnzimmer seien
im Einstiegspreis-Bereich, 27-Zoll-LCD-Gerät in der mittleren Preiskategorie
und dann folgen teure Großgeräte als Spitzengruppe.
Hecker sieht auf dem Markt auch wieder
einen Trend für Markengeräte. "Das liegt sicherlich auch daran, dass
es den Marken und dem Handel zunehmend gelingt, die hochwertigen Produkte
und ihre Funktionalität den Verbrauchern verständlich zu machen."
Quelle: heise.de



