Der Ansturm auf .eu-Land hat begonnen |
04/07/2006 |
Ab heute, Punkt 11 Uhr, gibt es endlich die so lange von Politikern und
Technikern vorbereiteten .eu-Domains für jedermann – die so genannte Landrush-Phase,
in der Registrierungen von .eu-Domains für alle offenstehen, beginnt nach
zwei Sunrise-Perioden. In der ersten Sunrise-Phase wurden nur Registrierwünsche
von öffentlichen Einrichtungen – etwa Bundes- und Landesbehörden – und
eingetragenen Markeninhabern berücksichtigt. In der Sunrise-Phase 2, die
bis zum heutigen Donnerstag, den 6. April, dauerte, konnten auch Inhaber
von Firmen- oder anderen rechtlich geschützten Namen .eu-Domains vorregistrieren.
Die großen Registrare erwarten, dass rund 2 Millionen .eu-Adressen ins
Rennen gehen könnten und davon am Ende des Tages rund 1 Million tatsächlich
registriert werden können. 370.000 Vorregistrierungen meldet Marktführer
1&1. Bei Strato, das den allgemeinen .eu-Start auch für den Europa-Start
von Strato nutzen wird, hat man 200.000 Namen in der Warteschlange. Bei
keinem anderen Landrush sei das Interesse so groß gewesen, heißt es bei
der Knipp Medien und Kommunikations GmbH. Bis gestern um Mitternacht konnten
Registrare auch noch Adressen mit Namensansprüchen nach den Sunrise-Regeln
bei der Registrierstelle Eurid in Brüssel registrieren.
Für die knisternde Spannung zum .eu-Start gibt es allerdings auch noch
einen anderen, aus Sicht mancher Registrare wenig erfreulichen Grund. Die
Liste der antretenden Registrare, also der Dienstleister für Domainregistrierungen
beim .eu-Datenbankbetreiber (Registry) Eurid, ist auf wundersame Weise
inzwischen auf 1500 Firmen angewachsen. Eine solche Zahl wäre kaum möglich,
hätte sich inzwischen nicht eine Vielzahl von Unternehmen mehrfach als
Registrar akkreditiert. Streng genommen heißt es in den Eurid-Regeln: eine
Akkreditierung pro Registrar. Doch wie schon bei der Registrierung generischer
Ausdrücke wie sex.eu durch Markengrabber in den Sunrise-Phasen ließ sich
auch für diese Regel eine leichte Umgehungsstrategie finden.
Kurzerhand haben viele Registrare einfach eine mehr oder weniger große
Zahl neuer Registrarunternehmen gegründet. Wurden bis vor wenigen Wochen
noch verschämt unterschiedliche Unternehmensinhaber für die neu gegründeten
Firmen benannt, scheint man dies nach der stillschweigenden Zustimmung
der Eurid zum Registrarcloning inzwischen nicht mehr für notwendig zu halten.
Die Unternehmen, die nur eine Akkreditierung haben, sind inzwischen fast
schon eine Minderheit. "Wir prüfen nicht, ob ein Unternehmen denselben
Eigentümer hat", sagt Patrik Linden, Sprecher bei Eurid. "Entscheidend
ist, dass es sich um ein einzelnes Unternehmen handelt und dass die Registrargebühren
bezahlt werden." In der Tat, meinte Linden, könnte der Eigentümer
bei manchen Unternehmen identisch sein.
Die Kunden erwarteten einfach eine hohe Erfolgsquote, kommentiert Robbie
Birkner von Keysystems die Mehrfachakkreditierungen. Da die Eurid-Regeln
die Beantragung mehrfacher Akkreditierungen zugelassen hätten, werde diese
Option auch von den Registraren genutzt, wodurch andere wiederum gezwungen
seien, mitzuziehen, um die Erfolgsquote für ihre Kunden hoch zu halten.
Man habe speziell für die .eu-Einführung mehrere Firmen gegründet und akkreditiert,
die für unterschiedlichen Kundengruppen und Geschäftsbereiche die Aufträge
abwickeln, teilte auch Andreas Schreiner mit, Geschäftsführer von InternetWire.
So würden etwa Reselleraufträge von den Endkundenaufträge getrennt. Schreiner
benennt mit dem Grund für die Mehrfachakkreditierungen auch das Problem:
"Da es einige Registrare mit einer Vielzahl von Akkreditierungen gibt,
wird man als Registrar mit nur einer Akkreditierung keine Chancen haben,
mit der Liste der populärsten Domains durchzukommen."
Von einem fairen Startprozess, sagt Knipp-Sprecher Matthias Fischer, könne
nicht mehr die Rede sein. Ob das ganze ein juristisches Nachspiel hat,
könne aber derzeit niemand sagen. Klar sei: Sollte Eurid feststellen, dass
ein Registar mehrere Akkreditierungen hat, müssten diese zurückgegeben
werden.
Die große Zahl der in den Startlöchern sitzenden Unternehmen wird auf jeden
Fall dafür sorgen, dass die Registrare nicht selten das "Belegtzeichen"
erhalten: Fünf IP-Adressen bekommen die Registrare, um ihre Domains ins
System zu schicken. Mit allen können sie dauerhaft versuchen, ins System
zu kommen, allerdings erlaubt das Registry-System nur eine Verbindung pro
Registrar zu einer bestimmten Zeit, erklärte Linden. Bei fünf mal 1500
Anfragen pro Sekunde auf insgesamt 60 bis 80 möglichen Registrierkanälen
wird es eng. Wie ein "Kinderfasching" nehme sich das System angesichts
des großen zu erwartenden Andrangs aus, schimpft ein kleiner Registrar,
der im Übrigen überzeugt ist, dass .eu ein gutes Beispiel für die Regel
sei, dass Regulierung die Großen vor den Kleinen schütze. (heise.de)



